7.19.2014

Anruf

An einem Freitag mit teils bedecktem, teils sonnigem Himmel, es ist noch kühl, klingelt um 10.32 Uhr das Telefon.
Unwillig wegen der frühen Störung hebe ich ab.
"Spreche ich mit Frau Sa scha ma Meiar?"
"Warum?"
"Sind sie das?"
"Warum wollen sie mich sprechen?"
"Ach Saschama, sie machen mir das Leben wirklich schwer."
Ich lege auf.


6.16.2014

Zerbrochen

Dieses Mal ist mein Abendessen beendet. Auf meinem Teller liegen Tomatenhäute, die ich entsorgen will. Ich halte den Teller unter dem Spülbecken über die Dose, in die ich die Häute immer schiebe. Seit 1977 ist noch nie passiert, was jetzt passiert: Der wunderschöne Teller rutscht mir aus der Hand und landet auf dem Boden, aber nicht als Gesamtkunstwerk, sondern zerbricht in viele Teile. Wer ist jetzt daran schuld? Ich bin alleine. Niemand da, den ich dafür verantwortlich machen kann. Das ist schon sehr ärgerlich.

Kaputt

An einem Samstag in diesem Monat gehe ich in die Küche. Wie jeden Tag hole ich ein kleines Töpfchen und ein kleines Pfännchen aus dem Schrank und setze sie auf den Herd. Ich fülle beide mit Wasser, das Töpfchen mit etwas, nein, mit viel mehr Wasser als das Pfännchen. Ich öffne die Eisschranktür um gelbe Rüben, Fenchel, Lachs und Shrimps herauszulegen. Die Temperatur fühlt sich nicht wirklich kalt an. Ich schaue ins Gefrierfach. Eine Eisplatte liegt auf dem Gefriergut. "Na, der taut sich selbständig ab," denke ich und entsorge die Eisplatte im Spülbecken. Ich bemerke eine Wasserpfütze vor dem Eisschrank.  Der Eisschrank springt nicht an, als ich den Regler auf die höchste Stufe drehe. Die Fächer im Eisschrank sind nass. Ich wische alles auf und denke über die nächsten Schritte nach, denn der Eisschrank springt immer noch nicht an. Mein Elektriker fällt mir als rettender Engel ein, sollte er denn kommen, wenn ich ihn anrufe. Also schicke ich ihm eine verzweifelte SMS. Er ruft mich dieses Mal ziemlich schnell zurück. Er kommt dieses Mal auch ziemlich schnell vorbei. "Der Thermostat ist kaputt. Bis ein neuer da ist, dauert es einige Tage. Wie alt ist denn der Eisschrank?" Er ist so alt, dass ich mich nicht mehr an sein Anschaffungsdatum erinnern kann. Also lohnt sich ein neuer. "Der ist am Montag da." Bis dahin werde ich schon über die Runde kommen, was ich ja muss. Ich gebe Herrn L. noch ein großes Stück Parmesan und Brot aus dem Gefrierfach mit.

5.12.2014

Federica De Cesco, Das Haus der Tibeterin

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Las den Roman von Federica De Cesco "Das Haus der Tibeterin". Ein tibetischen Arzt erklärt seiner Tochter die besonderen Eigenschaften der Steine. Amethyst half bei Hautausschlag und schenkte einen besonderen Schlaf. Bergkristall war gut für das Blut und die Adern. Bernstein linderte Knochenschmerzen. Karneol stillte Blutungen, stärkte den Mut und die Lebensfreude. Und von allen Steinen war der Diamant der härteste und kostbarste....... "denn er schützt vor Gefahren, lindert Ohrenschmerzen und fördert das Denkvermögen. Ich selbst jedoch bevorzuge Jade, den ältesten Glückstein der Welt. In früheren Zeiten war Jade begehrter als Gold. Man kann Jadewasser trinken, um den Körper zu entschlacken. Und den Stein soll man auf der bloßen Haut tragen, weil er das Herz stärkt, den Menschen glücklich, gerecht und tatkräftig macht."..... "Man sagt, dass Korallen Liebenden helfen, zueinander zu finden." ... "Wenn unsere Mütter ihren Babies Korallen umhängen, hat das einen besonderen Grund: Korallen stärken das wachsende Leben." ... "Jede Frau weiß, dass man Türkise nahe am Kopf oder am Hals tragen soll. Türkis führt dem Blut Sauerstoff zu, hält Nerven und Muskelfasern gesund. Spülst du deinen Mund mit Türkiswasser aus, werden deine Zähne immer gesund bleiben. Türkis stärkt das Selbstvertrauen, fördert Intuition und klares Erkennen. Deshalb ist der Türkis auch der Stein der Krieger."

5.11.2014

Heute

Foto Sabine Rietmann, Andalusien
Jetzt, in diesem Augenblick, scheint die Sonne. Jetzt, in diesem Augenblick wird sie von Wolken am Scheinen gehindert, jetzt regnet es. So geht es den ganzen heutigen Tag, Sonntag den 11. Mai 2014. Ich schaue in den Kalender und lese: Sonntag, 4. Sonntag der Osterzeit, Gangolf; Montag Pankratius, Dienstag Servatius, Mittwoch Bonifatius und Donnerstag Sophia. In der Gärtnerei meinte vor einigen Tagen eine Frau: In diesem Jahr kommen sie nicht mehr, die Eisheiligen. Und heute fühlt sich die Luft so kalt an, dass ich sie willkommen heißen muss.
Dass heute an Gangolf gedacht wird, heute am Muttertag, hängt ja nicht mit dem Muttertag zusammen, sondern mit dem Datum. Nicht dass man beim Lesen von Gangolfs Unglück auf die Idee kommt, sein Namenstag werde jedes Jahr am Muttertag gefeiert. 

4.18.2014

Ostern

Heute ist Karfreitag, also noch nicht Ostern. An diesem höchsten Feiertag der Christen ist Stille angesagt. Die Freude über die Auferstehung Christi zeigt sich erst am Ostersonntag. Das Wetter passt zu diesem Tag der Trauer. Es regnet. Die Pflanzen freuen sich, wenn sie sich freuen können. Sie waren schon am verdursten. Das Tauwasser des Schnees fehlt ihnen in diesem Jahr. Mir fehlte weder der Schnee, noch das Tauwasser. Ganz im Gegenteil war ich sehr erfreut darüber, dass beides aus blieb. In München kann man, wenn man denn will, die Grablegung Jesu ansehen. Viele Kirchen haben deshalb geöffnet. Die Glocken läuten nicht. Sie sind nach Rom geflogen. In den Andachten der Kirchen werden sie durch "Ratschn" ersetzt. Viele Bilder zu den Ratschn findet man unter dem Link. Ratschn sind aus Holzteilen zusammengebaut, die - schwingt man sie - Lärm machen. Besser kann ich es nicht erklären, deshalb der Link zum Anschauen. Frau W. ist Bäuerin. Ich esse nur Eier von ihren Hühnern. Sie leben wie Hühner leben sollten, in einem Stall mit kleiner Tür nach draußen. Ob sie glücklich sind, weiß ich nicht. Ich kaufte bei ihr diese sechs Ostereier, da sie für ihre große Familie auch Ostereier herstellt. Da geht es in einem "Aufwasch", wie man in Bayern zu sagen pflegt. Frohe Ostern wünsche ich allen Menschen, und dass sie und  wir nicht so grausam sterben müssen, wie es durch den Hass, Fehlinformationen, Krankheiten und Unglücke  in unserer Welt geschieht.

4.07.2014

Saharasand und Pollen

Der Saharasand sollte in der Sahara bleiben. Meine Lunge liebt ihn nicht. Die Pollen müssen wohl oder übel herumfliegen. Sie gehören zu der Blütenpracht des Frühlings,und ich nehme sie deshalb an. Vielleicht liebt meine Lunge sie auch nicht. Wie mir geht es auch anderen Besuchern des Rick. C. hat zusätzlich noch einen Bandscheibenvorfall, der sehr weh tut. Trotzdem bringt sie den Gästen Kaffee, Gebäck, Torten und Speisen. Ich sitze schon einige Zeit im Cafe und lese das Feuilleton bei Capuccino, Leitungswasser und zwei Pralinen. Der Herr mit der operierten Speiseröhre setzt sich an seien Stammplatz neben mich.Er ist heute mit dem Fahrrad unterwegs. Ihm geht es auch schlecht. Die Nase läuft, die Augen tröpfeln und die Atmung will nicht so wie sie sollte. Er verlor durch seine Krankheit 40 kg Gewicht. "Früher ging ich jede Woche zum Friseur", erzählt er. "Früher legte ich großen Wert auf meine Kleidung. Jetzt ziehe ich diese Jacke an und meine Thermohose. Wenn es kühl wird hält sie warm, wenn es warm wird, hält sie kühl." Er hat Fotos - Passfotos - seiner beiden Kinder dabei und eines von sich selbst. "Sie nannten mich früher Ivan Rebroff". Die Fotos von Rebroff, die ich eben googelte sehen dem Bild von ihm wirklich sehr ähnlich. Gemeinsam stellen wir fest, dass wir froh sind den Qualen des Liebeskummers entkommen zu sein. Wenigstens etwas Positives in dieser gegenwärtigen Lebensphase."In unserer Straße sind drei Menschen gestorben. Sie sind in ihrer Wohnung einfach umgefallen und waren tot. So möchte ich auch sterben", sagt er.


3.16.2014

Kontakt

(aus einer Mail, die mir zugeschickt wurde)
Heute ist Wahltag auf der Krim und bei uns. Letzten Sonntag füllte ich die Wahlzettel aus. Heute kann ich zu Hause bleiben. Letzten Sonntag telefonierte ich mit einem lieben Menschen. Nun denke ich an das Gespräch, das im Verlauf sehr heftig wurde, und zwar so heftig, dass ich meinen Gesprächspartner bat, aufzulegen.Wir legten auf. Eine Woche hatte ich Zeit über das Gesprochene nachzudenken, es zu verarbeiten und ad acta zu legen. Jetzt überlege ich: Was soll ich tun? Soll ich jetzt anrufen? Soll ich es bleiben lassen, um so eine erneute Auseinandersetzung zu vermeiden? Ich warte noch ein wenig, bis die Zeit sich richtig anfühlt, anzurufen.